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Amiga

Historische-Hardware
In den 80er Jahren verbreiteter Heimcomputer von Commodore mit Motorola - Prozessor.
Amiga 500 von Commodore

Das erste Modell war der Amiga 1000, der 1985/1986 auf den Markt gebracht wurde. Er glich sehr dem Commodore 128D - allerdings nur vom Aussehen. Eine optionale Erweiterungsbox namens Sidecar ermöglichte parallel zum Betrieb des Amiga-Betriebssystems auch die Benutzung von MS-DOS (auf einer eigens dafür verwendeten 8088-CPU).

Später folgten die Modelle Amiga 500 (als Nachfolger des legendären C64) und der Amiga 2000, der den damals modernen Desktop-PCs glich. Für professionelle Anwender wurde auch ein Rechner namens Amiga 2500/UX angeboten, auf dem parallel ein UNIX-Betriebssystem (AMIX) verfügbar war. Technisch gesehen waren die Amiga 2500-Modelle mit dem normalen Amiga 2000 identisch, aber durch den Einbau eines zusätzlichen Prozessorboards (mit einer 68020- bzw. 68030-CPU) deutlich leistungsfähiger.

Als Bindeglied zwischen Amiga und der PC-Welt besaß der Amiga 2000 sowohl die Amiga-eigenen Zorro-2-Slots als auch PC-typische ISA-Steckplätze. Diese konnten mit einer Brückenkarte (dem Nachfolger des Sidecar) erweitert werden. Damit besaß man dann einen vollwertigen PC im Amiga, auf den man von Amiga-Seite zugreifen konnte. Auch dieses Konzept war seiner Zeit weit voraus.

Dem Amiga 2000 folgte der Amiga 3000 sowie dessen Tower-Variante, die zum ersten Mal ein neues Betriebssystem in einem modernen 3D-Look mit sich brachten. Dieses hatte zahlreiche Neuerungen und Optimierungen, die noch heute in modernen Betriebssystemen wiederzufinden sind (AmigaOS 2.0). Auch der Amiga 3000 wurde, nicht zuletzt dank des fortschrittlichen Betriebssystems, ein Erfolg.

Mit dem Amiga 600 wurde dem Amiga 500 ein Nachfolger geschaffen, der später durch den Amiga 1200 abgelöst wurde. Beide konnten nicht den Erfolg des Amiga 500 fortsetzen. Zum Zeitpunkt der Einführung des Amiga 1200 wurde auch dessen großer Bruder, der Amiga 4000 (sowie Tower-Variante) als Nachfolger des Amiga 3000 auf den Markt gebracht.

Die Modelle Amiga 500/600/1200 waren eine kostengünstige Variante. Tastatur, Floppy (Diskettenlaufwerk) und die Hauptplatine bildeten eine Einheit. Beim A600 und A1200 war unter anderem auch noch Platz für eine 2.5" ATA Festplatte, im A1200 ließ sich mit ein wenig technischem Geschick und einem passenden Adapterkabel auch eine 3.5"-Platte einbauen.

Die Modelle Amiga 2000/3000/4000 waren erweiterbare Systeme, in denen zusätzliche Laufwerke und Erweiterungskarten integriert werden konnten. Die Modelle 3000 und 4000 wurden auch als Tower-Versionen angeboten und waren im oberen Preissegment angesiedelt - vergleichbar mit heutigen High-End-Rechnern. Auch die Tastaturrechner verfügen über einen Expansion-Slot, in den Erweiterungskarten eingesetzt werden konnten.

Commodore versuchte bereits Anfang der Neunziger Jahre, mit dem CDTV (einem Amiga im Design eines CD-Players), den Amiga als Multimedia-Plattform zu positionieren und in die Wohnzimmer zu bringen. Zu dieser Zeit entstand auch das Autorensystem AmigaVision. Kurz vor dem Niedergang von Commodore folgte dann das CD32 (1993), das verblüffende Ähnlickeit mit der PlayStation (Ende 1994) des Herstellers Sony hatte.


Hardware:

Wichtigstes Kennzeichen der Amiga-Hardware waren die spezialisierten Custom-Chips, die den Amiga in bestimmten Bereichen anderen Plattformen überlegen machten. Nachteil der Chipsätze war eine Inflexibilität des Systems. Die Nachbildung dieser Chips ist auch das Hauptproblem bei der Emulation von Amiga-Systemen.

Das Bussystem des Amiga war der sogenannte Zorro Bus mit 24-Bit-Adressraum (A500/1000 seitlich durch einen 86poligen Anschluss), (A2000 Zorro 2 intern durch mehrere 100polige Anschlüsse), (A3000/A4000 Zorro 3 mit 32-Bit-Adressraum, mehrere 100polige Anschlüsse, 32 Bit wurde durch Multiplexen der Signalleitungen erreicht). Durch einen Adapter konnte man Zorro-2-Karten an einem Amiga 500/1000 betreiben. Selbstverständlich liefen auch alle Zorro-2-Karten noch am Zorro-3-Bus, da am Bus selbständig erkannt wurde, ob es sich bei der Karte um eine 16- oder 32-Bit-Karte handelte. Es konnten keine handelsüblichen IBM-kompatiblen Steckkarten eingebaut werden.

Der Amiga hatte aber schon eine Autokonfiguration (ähnlich dem Plug-and-Play), die es dem Betriebssystem ermöglichte, Adressen und Interrupts den Karten zuweisen zu können. Daher gab es keine Konflikte wie bei den ISA-Slots des IBM-kompatiblen Systems.

Eine weitere herausragenden Möglichkeit des Amiga war die Genlock-Fähigkeit. Dies ermöglichte beispielsweise (Chroma-) Keying - das Ersetzen einer bestimmen Farbe im Computerbild in Echtzeit durch ein Videobild. Deshalb wurde der Amiga oft zum Videoschnitt, zur Vertitelung oder für aufwendige Blenden benutzt. Auch professionelle Bluebox-Anwendungen waren verfügbar.

Später wurden für den Amiga Grafikkarten angeboten, welche die beim Original vorhandenen Videofähigkeiten um "flimmerfreie" Darstellungen für im Büro notwendiges Arbeiten liefern sollten. Zu dieser Zeit machte der IBM-kompatible Computer zusammen mit Windows seinen Siegeszug in die Büros der Welt.

Die wohl bekannteste Hardwareerweiterung für den Amiga war der so genannte Flickerfixer. Die ersten Modelle des Amiga (1000, 500 und 2000) konnten ausschließlich Videosignale entsprechend dem PAL oder NTSC-Standard erzeugen, die mit einer Zeilenfrequenz von 15 kHz arbeiten. Höhere vertikale Auflösungen als ca. 256 Pixel waren damit nur durch Verwendung eines Zeilensprungverfahrens möglich, was zu heftigem Flimmern der Darstellung führt. Um dennoch VGA-Monitore ansteuern zu können wurde der Flickerfixer erdacht, der die zwei ausgegebenen Halbbilder zu einem Einzelbild zusammenfügen und sie wie für diese Monitore erforderlich mit der doppelten Zeilenfrequenz von 31 kHz ausgeben konnte. Amiga 500 Plus, 600 und 3000 konnten durch ihr erweitertes ECS-Chipset von sich aus mit unterschiedlichen Zeilenfrequenzen umgehen, mussten dabei allerdings mangels Speicherbandbreite Kompromisse eingehen, was die Auswahl der darstellbaren Farben angeht. Um den Amiga 3000 auch in Büroumgebungen einsetzen zu können, wurde hier ein Flickerfixer bereits ab Werk eingebaut. Mit dem Amiga 1200 und 4000 wurde der Flickerfixer dank des nochmals erweiterten AGA-Chipsets überflüssig.

Vorrangig in den USA benutzten Filmstudios und Fernsehsender den Amiga zusammen mit einer "Toaster" genannten Hardwareerweiterung für die tägliche Arbeit. Bekanntestes Beispiel dafür ist die TV-Serie "Babylon 5", deren Spezialeffekte teilweise mit Amiga-Rechnern erzeugt wurden, ebenso wie bei der TV-Serie "Seaquest DSV". Die 3D-Computerprogramme Cinema 4D (Software) und Lightwave (Software) standen ursprünglich nur auf diesem Rechner zur Verfügung.

Die ersten Festplatten für den Amiga waren schon XT, später dann SCSI 2- und ATA-Festplatten.


Software:

Technisch war der Amiga vielen Computern seiner Zeit voraus. Neben den herausragenden technischen Eigenschaften (z. B. PnP in Form der Autoconfiguration), unterstützte das Betriebssystem bereits Präemptives Multitasking im so genannten "Round Robin"-Verfahren - fast zehn Jahre vor der Einführung von Windows 95.

AmigaOS, das Betriebssystem des Amiga, ist "modular" aufgebaut und besitzt diverse Ähnlichkeiten zu Konzepten, wie sie von UNIX her bekannt sind. Der Amiga besitzt dynamisch nachladbare Geräte-Treiber (Suffix: .device) sowie Shared Libraries (Suffix: .library) und unterstützt viele Konzepte moderner Betriebssysteme (Streams, Pipelining, Signals, Message-Queues, usw.). Auch der von Unix und Linux her bekannte Kommandozeileninterpreter (CLI) ist dem Amiga nicht fremd.

Als Dateisystem verwendeteder Amiga das Amiga Fast File System (FFS). Anfangs, als Festplatten im Heimcomputer-Bereich noch teuer waren und eher eine Ausnahme bildeten, wurden Daten auf 3,5" (Zoll) Disketten mit einer Speicherkapazität von 880 KByte gespeichert. Unter späteren Versionen des FFS konnten auch so genannte Double Density Disketten beschrieben werden und das Dateisystem wurde um Journaling-Eigenschaften erweitert.

Bekannt war die so genannte "Guru Meditation". Diese bezeichnet den Zustand eines durch das Amiga Betriebssystem abgefangenen schweren Programmfehlers. Sie ist vergleichbar mit dem "Blue Screen Of Death"/BSOD der auf Windows NT basierenden Systeme seine Heimat hat. Auch wenn diese Fehlermeldung später durch ein nüchternes "Software Failure" ersetzt wurde, blieb der Name bestehen.

Mit der "translator.library" und dem "narrator.device" wurden bei diesem Rechner die Möglichkeit integriert, von höheren Programmiersprachen aus Sprachausgabe zu verwirklichen. Der Amiga war der erste Rechner, der mit Software zur Sprachsynthese ausgeliefert wurde. Dies wurde möglich, weil die Audioausgabe des Amiga auf 8 Bit Digital/Analog-Wandlern basiert.

Der Amiga wurde, außer zum Spielen (was beim Amiga 500/1200 eher der Fall war), hauptsächlich zum Bearbeiten von Videos benutzt. Weitere wichtige Anwendungen waren 3D-Animation, Musik (Tracker wie Soundtracker, Futuretracker u. ä. sind heute noch Kult). In den letzten Jahren kamen auch noch Anwendungen wie das Authoring zur langen Liste der Anwendungen hinzu. Bekannteste Vertreter: AmigaVision, eine Autorensoftware für die Erstellung von interaktiven CDs, zur Wiedergabe von Laserdisks und für Karaoke-Anwendungen und Scala, dessen leistungsfähigste Version, Info Channel, auch heute noch in Kabelfernsehanlagen eingesetzt wird. Diese Produkte gab es lange, bevor Hersteller wie Macromedia mit Director den Markt eroberten.
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14.04.2004 von Wilhelm Janssen (7094) Beiträge
22.07.2004 von Wilhelm Janssen
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