|
|
Atari ist historisch ein US-amerikanisches Unternehmen, das durch Homecomputer sowie Spielhallen- und Homevideospiele bekannt wurde. Es gilt heute als technologische Keimzelle und Vorreiter vieler Entwicklungen und wurde in den 1970er Jahren von Nolan Bushnell gegründet.
|
|
|
|
Atari Logo
Atari überlebte die Krisen der Videospielsysteme (1980er, 1990er Jahre) und Homecomputer (90er Jahre) nicht als eigenständiges Unternehmen. 1995 wurde Atari als Hardwarefirma endgültig aufgelöst, und nur noch als Markenname gehandelt.
Zur Geschichte:
1970 gründete Nolan Bushnell mit einem Startkapital von gerade mal 250$ seine Computerfirma. Ursprünglich wollte er diese Firma Sygyzy nennen, aber zu seiner eigenen Überraschung gab es bereits einen Dachdecker unter diesem Namen und er wich auf den Namen Atari aus -- einen Begriff aus dem Go-Spiel, das er in seiner Freizeit gern spielte.
Als Logo wählte er die stilisierte Fassung des japanischen Berges Fuji.
Inspiriert von einem in Studentenkreisen beliebten Computerspiel namens Spacewar entwickelte Atari erst einen ähnlichen Automaten, namens "Computer Wars" dem aufgrund seiner komplizierten Steuerung kein Erfolg beschieden war.
Die Anleitung zum nächsten Spielautomaten beschränkte Nolan Bushnell auf einen Satz: "avoid missing ball for highscore". Mehr war nicht zu tun und deshalb hat "Pong" die Welt verändert. Das war 1972.
Nachdem Bushnell als erstes eine 17jährige Sekretärin engagiert hatte, damit die Firma etwas etablierter wirkte, wurde der Ampex-Ingenieur Al Alcorn für 1.000 Dollar Monatsgehalt und einige Aktienoptionen engagiert. Bushnells erster Auftrag für den neuen Entwicklungschef und einzigen Entwickler war die Realisierung eines Spielkonzepts von kaum zu unterbietendem Minimalismus. Mit Bushnells Worten: "Ping-Pong. Ein Ball, zwei Schläger, zwei Punktanzeigen sonst nichts auf dem Schirm". Bushnell erzählte Alcorn, er habe einen Auftrag mit General Electric für diese Entwicklung, was schlicht gelogen war. Wie Alcorn später erfuhr, war das Ganze nur als Test und Fingerübung für seine Fähigkeiten als Entwickler gedacht.
Alcorn allerdings nahm seine Aufgabe ernst und schuf eine eigene Physik für den Raum, in dem sich die beiden Tischtennis-Spieler gegenüberstanden.
|
|
|
|
Pong
Ende September 1972 bauten Bushnell, Dabney und Alcorn den ersten "Pong"-Automaten zum Publikumstest in einer Bar namens "Andy Capp s Tavern" in Sunnyvale, einem Ort im kalifornischen Silicon Valley auf. An der Bar war nichts besonderes, außer dass ein paar Flipper und ein alter "Computer Space" Automat in einem Hinterzimmer standen. Knapp zwei Wochen, nachdem der "Pong"-Automat bei ihm aufgebaut worden war, rief der Geschäftsführer an und beschwerte sich, dass die Maschine nicht funktioniere. Als Alcorn den Automaten öffnete, kullerten Münzen heraus. Das Gerät war nicht kaputt sondern der Münzbehälter übergelaufen. 300 Dollar hatte "Pong" in der Zeit gebracht. Mit sehr guten Flipperautomaten verdiente man damals 90 Dollar im selben Zeitraum.
|
|
|
|
Prototy des ersten Pong Automaten
Spätestens da war Bushnell klar, dass er nicht nur ein gutes Spiel, sondern auch das ersehnte Massenprodukt geschaffen hatte. Im November 1972 verkaufte Atari den ersten "Pong"-Spielautomaten. In den folgenden zwei Jahren baute und verkaufte Atari 8.000 Stück. Die Automaten wurden von einem Haufen Hippies handgefertigt. Sie bekamen etwas mehr als den damaligen gesetzlichen Mindeststundenlohn von 1,75 Dollar. Laut Al Alcorn kostete die Herstellung eines "Pong"-Automaten 300 bis 400 Dollar. Für 1200 Dollar je Stück wurden die Automaten dann an Barbesitzer verkauft wurde. So erwirtschaftete Atari 1973 einen Umsatz von 3,6 Millionen Dollar. Zehn Jahre später setzte das Unternehmen 2 Milliarden Dollar mit Videospielautomaten und Heimkonsolen um.
Allerdings fallen auf diese Erfolgsgeschichte auch Schatten. Bereits 1972 bekam Atari erste Probleme. Im selben Jahr hatte Magnavox die von Ralph Baer entwickelte Spielkonsole Odyssey auf den Markt gebracht. Eines der Spiele dieser Heimkonsole erinnerte sehr an "Pong" nur hatte Ralph Baer sowohl die Idee des Computertennis wie auch das Konzept von Spielen auf einem Fernsehschirm schon vor der Gründung Ataris patentieren lassen. Und nachweislich hatte Nolan Bushnell am 24. Mai 1972 eine Vorführung der Odyssey-Konsole im kalifornischen Burlingame besucht und dort laut Zeugen ausgiebig Computertennis gespielt. Die Frage, wer nun alles als Erfinder gelten kann, wird wohl unbeantwortet bleiben. Man kann in jedem Fall Baer den Vater der Spielkonsole und Bushnell den Vater der Industrie nennen.
Magnavox drohte 1972, vor Gericht zu gehen. Da sich die Anwaltskosten für Atari laut dem damaligem Rechtsvertreter des Unternehmens durchaus auf einen Betrag von über einer Million Dollar hätten belaufen können, entschied Bushnell sich für eine außergerichtliche Einigung. Nach mehrjährigen Verhandlungen wurde Atari für 700000 Dollar der erste Lizenznehmer von Magnavox. Alle anderen Videospielunternehmen mussten Magnavox an ihren Verkäufen beteiligen. Alles in allem also ein sehr gutes Geschäft für Atari da stimmen Bushnell, Alcorn und Baer überein.
1974 standen überall in den Vereinigten Staaten "Pong"-Spielautomaten in Cafes, Kneipen und Spielhallen. Nur hatte Atari davon lediglich ein Drittel hergestellt. Der Rest waren Klone. Da Atari nie Patente beantragt hatte was angesichts jener von Ralph Baer auch schwierig gewesen wäre -, war es dem Unternehmen nicht möglich, gegen die Hersteller der Klone vorzugehen. Atari musste sie also mit neuen Produkten schlagen. Man kam auf dieselbe Idee wie Ralph Baer ein Jahrzehnt zuvor: Massenunterhaltung in jedem Wohnzimmer.
Atari entwickelte eine "Pong"-Heimkonsole. Im Herbst 1974 war der Prototyp von "Home Pong" fertig. Die Heimkonsole trug den Namen zurecht: Außer Pong bot sie nichts. Ein schwarzer Kasten mit weißem Atari Schriftzug und einem Knauf für jeden der zwei Spieler.
1975 hatten Steve Jobs und Steve Wozniak, die späteren Mitgründer von Apple Computer kurz freiberuflich für Atari gearbeitet: sie entwickelten eine verbessere Pong-Heimkonsole mit einem Minimum an Transistoren.
Atari hat mit diesem vom Spielautomaten portierten Konzept die Heimkonsole populär gemacht: Während von der Magnavox Odyssey etwa 100000 Stück innerhalb von zwei Jahren verkauft wurden, gingen von "Home Pong" in der Weihnachtssaison des Jahres 1975 gut 150000 Stück über die Theken der Kaufhauskette "Sears", mit der Atari einen Vertriebsvertrag abgeschlossen hatte.
Mitte der siebziger Jahre war aus den 500 Dollar Startkapital Ataris eine eigene Industrie geworden. Im Mai 1976 brachte Coleco ("Connecticut Leather Company") das Unternehmen hatte zuvor Geld mit Schwimmbecken und Outdoorkleidung verdient die Konsole "Telestar" auf dem amerikanischen Markt. Die Verkäufe brachten 100 Millionen Dollar. Im August desselben Jahres kam die Konsole "Channel F" des Transistoren-Bauers "Fairchild Camera and Instruments" in die Läden. Diese Konsole war die erste mit einem Mikroprozessor und austauschbaren Spielen auf Steckkarten, sogenannte Cartridges. Ein kleines technisches Wunder, das den Weg zu den heutigen dem Computer technisch ebenbürtigen Konsolen weist.
Atari begann spät mit der Entwicklung einer eigenen, Mikroprozessor-Konsole. Das Unternehmen verlor viel Geld, bis Nolan Bushnell zuletzt im Oktober 1976 Atari für insgesamt 28 Millionen Dollar 15 Millionen davon gingen an ihn - an den Warner Konzern verkaufte. Die Entwicklung konnte weiter gehen, Warner investierte über die Jahre gut 100 Millionen Dollar in Atari. Bevor aber neue ästhetische und spielerische Konzepte auf Konsolen erprobt wurden und der Heimcomputer schließlich eine neue Ära einläutete, fand die Innovation für einige Jahre noch an einem anderen, altvertrauten Ort statt: Der Spielhalle.
Nach Streitigkeiten mit der neuen Geschäftsleitung trennten sich 1979 einige Programmierer von Atari: David Crane, Larry Kaplan, Alan Miller und Bob Whitehead. Diese gründeten Activision.
Nach der ersten Krise in den 80ern wurde Atari in zwei weitgehend voneinander unabhängige Firmen geteilt.
Eine Firma beschäftigte sich weiter mit Spielen (Käufer: Time Warner), die andere mit den Heimcomputern (Käufer: Jack Tramiel).
Der Spielebereich konzentrierte sich nach dem fehlenden kommerziellen Erfolg der Heim-Systeme Jaguar und Panther schließlich auf Software und wurde dann durch die Firma Hasbro aufgekauft.
Im zweiten Quartal 2003 präsentierte sich die französische Firma "Infogrames" unter dem Namen und alten Logo Ataris. Infogrames erhofft sich dadurch vom hohen außereuropäischen Bekanntheitsgrad dieses Markennamens zu profitieren. |
| Im Beitrag enthaltene URLs: |
|
|
|
|