Nach Meinung des Shop-Zertifizierers "Trusted Shops" missachten deutsche Online-Händler die gesetzlich vorgeschriebenen Verbraucherrechte. Dies hätte eine entsprechende Untersuchung des Gütesiegel-Anbieters ergeben. Es heißt: "Kein einziger Shop hätte auf Anhieb alle notwendigen Kriterien erfüllt."
Trusted Shops hatte von Januar bis Mai 2006 insgesamt 294 Onlinehändler untersucht, die sich für das Gütesiegel beworben haben. Bewertet wurden die Angebote anhand von über 100 Einzelkriterien wie Bonität, Preistransparenz, Kundenservice und Datenschutz.
Laut Trusted Shops finden sich die häufigsten Fehler auf unzureichende Hinweise zu Lieferzeiten. Der Verbraucher muss an jedem einzelnen Produkt eines Internet-Händlers erkennen können, ob die Lieferung umgehend erfolgt oder mehrere Tage in Anspruch nimmt. Alleine gegen diese Vorschrift würden 92 Prozent der untersuchten Shop verstoßen.
Fast ebenso häufig, nämlich bei 91 Prozent, seien unvollständige oder mangelhafte Informationen nach Vertragsabschluss aufgetreten. So fehlten beispielsweise in den E-Mails oder Lieferscheinen, die der Verbraucher nach Bestelleingang erhält, häufig die vorgeschriebenen Hinweise zum Widerrufsrecht. Zudem werde das Widerrufsrecht in vielen Aspekten nur unzureichend beachtet: Entweder versuchten Shops das Recht unzulässig einzuschränken oder informierten nur unvollständig (74 Prozent). In 60 Prozent der Fälle fehlte ein Hinweis auf diese wichtigen Verbraucherrechte im Bestellverlauf, dieser war nur versteckt im Kleingedruckten enthalten.
Bei mehr als drei Viertel der überprüften Online-Shops wäre auch der Informationsfluss zum Thema Datenschutz alles andere als Optimal und machten hier Fehler. Der Verbraucher bleibe so über seine Rechte im Unklaren. 79 Prozent gaben ungenügende Informationen zu den Versandkosten oder Zöllen beispielsweise beim Auslandversand. Widersprüchliche Angaben gab es auch zu Fragen des Vertragsabschlusses (80 Prozent), ebenso gab es unzulässige Klauseln in den allgemeinen Geschäftsbedingungen.
Nach Meinung der Experten würden gegen viele Vorgaben nicht bewusst verstoßen, sondern mehr aus Unkenntnis. "Zahlreiche Vorschriften sind für juristische Laien völlig unverständlich formuliert", sagt Jean-Marc Noël, Geschäftsführer von Trusted Shops. "Die Gesetze sind hier schlichtweg zu kompliziert", so Noël weiter.