Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) will nach einer Studie festgestellt haben, dass die meisten Deutschen zu sorglos im Internet surfen. Nach dieser Studie (die von TNS Emnid durchgeführt wurde) interessieren sich die Nutzer kaum für das Thema Internetsicherheit. Jeder vierte Internetnutzer bewege sich ohne Virenschutzprogramm im Netz und nur die Hälfte der Nutzer hätten eine Firewall eingesetzt.
Überraschend hoch für das BSI sei in der Bevölkerung dagegen das Wissen zu Angriffsmöglichkeiten über das Internet. So wussten beispielsweise 90 Prozent der befragten User, dass der eigene PC von Fremden ferngesteuert werden kann. 70 Prozent der User wüssten, dass die Absenderadressen von E-Mails gefälscht sein könnten.
"Für zwei Drittel der Befragten hätte ein Computerausfall nach eigener Einschätzung keine schwerwiegenden Folgen. Entsprechend schlecht sei deshalb die Vorsorge: Jeder Vierte bewege sich ohne Virenschutzprogramm im Internet und nur die Hälfte der Internetnutzer setze eine Firewall ein. Seine Daten sichere ebenfalls nur jeder Zweite regelmäßig" Das erklärt das fehlende Interesse am Thema Sicherheit, erläutert Dr. Udo Helmbrecht, Präsident des BSI, die Studienergebnisse. "Die Studie deckt eine scheinbar paradoxe Situation auf: Man weiß zwar offensichtlich um die Gefahr, fühlt sich selbst aber nicht zum Handeln aufgefordert. Die Vorsorge ist mangelhaft, weil rein privat genutzte Rechner häufig nur eine geringe Bedeutung haben", schlussfolgert Helmbrecht.
Der BSI-Präsident gibt jedoch zu bedenken, dass unsichere PCs die gesamte IT-Infrastruktur gefährden würden. Schließlich könnten nur solche Sicherheitslücken massiv von Angreifern ausgenutzt werden, die bei vielen Rechnern bestünden. Weitere Aufklärung wäre deshalb unbedingt notwendig, so Helmbrecht weiter. Insgesamt verfügen die deutschen Internetnutzer über durchschnittliche IT-Fachkenntnisse: Die Hälfte kennt sich nach eigenen Angaben gut bis sehr gut aus. Nur jeder Zehnte gibt an, wenige bis gar keine Fachkenntnisse zu besitzen, so heißt es in der Studie weiter.
An dieser Stelle sei mal die Frage erlaubt: "Surfen die meisten User wirklich sorglos?" Ist es denn heute schon so weit, dass die Industrie -und viel schlimmer: die Analytiker- wie selbstverständlich davon ausgehen, dass ein Internet-Nutzer wissen muss, was eine Virensoftware oder eine Firewall ist ? Ist es wirklich so, dass die 30-jährige Büroangestellte oder ein 44-jähriger Umschüler sich wirklich gerne mit dem Internet beschäftigt ? Könnte es nicht sein, dass die meisten User sehr wohl wissen, dass sie tagtäglich auf einem Pulverfass sitzen, aber nicht wissen, was sie dagegen tun können ? Kann man wirklich verlangen, dass ein 55-jähriger Buchhalter weiß, wie man eine Firewall installiert ? Sind plötzlich alle Rentner, die durch das Internet ihrer Einsamkeit entfliehen, plötzlich Systemadministratoren ? Ist es wirklich so, dass die Mehrheit der User gute bis sehr gute Kenntnisse im Internet und an der Technik haben? Oder wurden in der Studie einfach nur die falschen Leute befragt ?