Wir hatten bereits berichtet, dass die englische Firma SW-Netmarketing LTD Massen-Mails verschickt hat, in denen sie GMX-Kunden rät, ihre Webmail-Accounts zu kündigen. Da GMX bisher auf Anfragen seitens des Massen-Mailers nicht reagiert habe, sehe man in dieser Handlungsweise die einzige Möglichkeit, GMX zu einer Reaktion zu zwingen.
Auf Anfrage von heise online erklärte ein Sprecher von SW-Netmarketing, man sei sogar bereit, über den Umweg privater Klagen selbst gegen GMX wegen Unterschlagung von Mails vor Gericht zu ziehen. SW-Netmarketing würde dann auch den Rechtsstreit finanzieren. Das Unternehmen selbst hätte als Mail-Versender keinen rechtlichen Anspruch gegenüber GMX auf Zustellung der Mails, lediglich die Besitzer der Accounts könnten ein Recht auf Zustellung aller Mails geltend machen, solange sie nicht explizit einer Filterung der Mails zugestimmt hätten.
Heise Online hat das Verhalten von GMX überprüft und dabei festgestellt, dass derzeit keine Mails von SW-Netmarketing mehr blockiert werden. Zu diesem Zweck wurden Download-Anfragen bei der Seite trance24.de gestartet. Die Antworten darauf kamen problemlos bei einem GMX-Test-Account an. Nach Angaben von Heise Online wurden solche Mails in der Vergangenheit nicht zugestellt. Seit wann GMX die Mails nicht mehr blockiert, ist noch nicht bekannt.
Nach Angaben von GMX wurden zumindest zeitweise Mails aus IP-Bereichen blockiert, die durch den Versand großer Mengen an Mails auffällig wurden. Man setzte auf eine Filterung nach Blacklists, die vom Dienst Spamhaus stammen.
SW-Netmarketing hat zugegeben, dass man die Massen-Mails mit dem Aufruf zur Kündigung von GMX-Accounts als geschäftsschädigendes Verhalten auslegen könnte. Einer rechtlichen Auseinandersetzung mit GMX sieht die Firma mit Interesse entgegen: "Es ist unsere Hoffnung, dass GMX uns verklagt ...", so der Sprecher. Dies sei die scheinbar einzige Möglichkeit, GMX zu einer Reaktion zu bewegen.
Andererseits scheint die Firma, die E-Mail-Adressen für das Direktmarketing sammelt, nicht sehr an einem Kontakt zu den Empfänger ihrer Spam-Sendungen interessiert zu sein. Auf die Frage, warum der Firmensitz von Hamburg nach Großbritannien verlegt worden sei, antwortete der Sprecher: "Wir haben es ganz bewusst gemacht, um es denen, die sich unberechtigt beschweren, schwerer zu machen." Dies träfe zwar auch für diejenigen zu, die sich berechtigt beschweren wollen. Diese User sollten im Bedarfsfalle den Unsubscribe-Link nutzen.
Diese ungewöhnliche Handlungsweise wird damit begründet, dass die Bearbeitung der vielen unberechtigten Beschwerden und Prüfungen durch den Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) für eine so kleine Firma einfach zu aufwendig gewesen seien.