Das Oberlandesgericht in Frankfurt hat sich ab heute mit einer Sammelklage von Aktienanlegern der Deutschen Telekom zu beschäftigen. Mehr als 16.000 Anleger sind der Meinung, dass die Deutsche Telekom während der Ausgabe der T-Aktien im Jahre 2000 nicht ausreichend über die tatsächlichen Vermögensverhältnisse des Unternehmens informiert hat, denn seit Ausgabe der Aktie ist der Aktienwert von ursprünglich 63,50 Euro auf nunmehr nur noch 11,18 Euro gefallen. Die Anleger fühlen sich deshalb betrogen. Insgesamt fordern mehr als 900 Rechtsanwälte eine Schadensersatzsumme von mehr als 80 Millionen Euro.
Die Verhandlung ist auf insgesamt 17 Tagen angesetzt, doch Beobachter sind der Meinung, dass sich dieser Prozess über Jahre hin ziehen wird. Obwohl theoretisch alle Anleger Anträge an das Gericht stellen können, die >>alle<< zu bearbeiten wären, geht es derzeit >>nur<< um 187 Punkten, die für alle Kläger verbindlich geprüft werden sollen.
Zunächst will sich die Kammer allerdings mit der Frage beschäftigen, ob die milliardenschwere Übernahme des US-Mobilfunkanbieters "VoiceStream" zum Zeitpunkt des dritten Börsengangs bereits bekannt war. Nach Übernahme des US-Konzerns mussten hieraus erhebliche Wertkorrekturen vorgenommen werden. Dann geht es um die Frage, inwieweit die Telekom den Wert ihrer Immobilien richtig angegeben hat, denn auch hier musste die Telekom nach Aktienausgabe erhebliche Wertkorrekturen vornehmen.
Die Juristen der Deutschen Telekom planen in diesem Prozess offensichtlich auch eine neue Verteidigungsstrategie. Während sie bis dahin argumentiert hatten, dass die ausgegebenen Informationsmaterialien im Jahre 2000 korrekt gewesen seien, argumentieren sie jetzt: der umstrittene Buchwert von Immobilien habe damals überhaupt keine Rolle gespielt. Vielmehr sei der Handel der Aktien im Jahre 2000 noch vom Hype der New Economy geprägt gewesen. (Die große Euphorie im Bereich 'New Economy' neigte sich im Jahre 2001 schlagartig dem Ende zu als bekannt wurde, dass das große Geschäft in dem neuen Geschäftszweig doch nicht so schnell zu machen ist. Sehr viele Firmen gingen damals in die Insolvenz.)