[Kommentar]Immer öfter erscheint Werbung auf guten Plätzen in den "normalen" Google Suchergebnissen, mehr oder weniger gut getarnt als Produktinformation. Das ist noch nichts besonderes, denn alle Betreiber eines Online-Shop möchten mit ihren Produkten möglichst weit vorn in den organischen Suchergebnissen erscheinen. Neu ist jedoch, dass es sich dabei um Unterseiten von Subdomains großer Portale handelt, die so vom "Vertrauen" der Suchmaschine in das eigentliche Portal profitieren. Der Shop-Betreiber muss für diese ganzseitigen "Anzeigen" nicht nur eine Pauschalgebühr an den Vermittler zahlen, sondern auch noch Geld an das Portal, wenn ein User auf einen in dieser Seite platzierten Link klickt und so zum beworbenen Online-Shop weitergeleitet wird.
Somit kassiert also sowohl der Vermittler als auch das Portal Geld, dass eigentlich Google vom Shopbetreiber gern für seine AdWords Anzeigen haben wollte. Ich bin daher gespannt, wie lange es noch möglich ist, der Suchmaschine ganzseitige Anzeigen "huckepack" auf Subdomains renommierter Domains quasi unterzujubeln und so Klickprovisionen in die eigene Tasche umzuleiten.
Das beschriebene Phänomen fand ich auf Online-Ausgaben großer Zeitungen. Diese Branche hat noch immer ihre Probleme mit dem neuen medialen Mitspieler und so kam es in letzter Zeit auch immer wieder zu internet(ten) Scharmützeln, die die jeweils andere Seite gar nicht nett fand.
So verloren z.B. Ende Oktober 2007 etliche Online-Angebote von Printmedien wie der "Die Zeit", der "TAZ" oder der "Netzeitung" plötzlich Teile ihres grünen Ego-Balkens, besser bekannt als PageRank-Anzeige in der Google-Toolbar. Es dauerte nicht lange, bis der allzu offensichtliche Verkauf von Textlinks als Ursache für die vermeintliche Strafaktion ausgemacht war. Da Links zu anderen Seiten deren Ranking beeinflussen können, möchte Google natürlich dem Verkauf bzw. der Vermietung von Links entgegenwirken. In der Folge dieser Aktion wurde dann das Attribut "nofollow" eingeführt, mit dem Webmaster kommerzielle Links kennzeichnen und deren Einfluß auf das Ranking ausschalten konnten.
Nachdem der Linkverkauf als Geschäftsmodell zur Refinanzierung der chronisch defizitären Online-Ausgabe der Printmedien nicht mehr funktionierte war der Aufschrei groß und so dauerte es nicht lange, bis man den Schuldigen an der Misere gefunden hatte: nämlich Google. Dies steigerte sich weiter und gipfelte darin, dass der Verleger Hubert Burda Google 2009 vorwarf, die Verlage schleichend zu enteignen.
Nun haben offenbar einige Online Marketing Manager eine neue Einnahmequelle entdeckt und versuchen, Google mit den eigenen Waffen zu schlagen. Wie das funktioniert, lässt sich am besten an einem konkreten Beispiel zeigen. So erscheint z.B. im Moment bei der Google-Suche nach Fensterhebern hinter der allgegenwärtigen Wikipedia eine Unterseite der Subdomain kauftipps.fr-online.de, also der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau, auf dem zweiten Platz, und somit noch vor der Google eigenen Anzeige der Shopping-Ergebnisse. Offenbar profitiert also die Subdomain vom guten Ranking der eigentlichen Domain. Die Frankfurter Rundschau hat die Seite auch korrekt als Anzeige gekennzeichnet und die ausgehenden Links zum Online-Shop des Kunden mit dem Attribut "nofollow" versehen. Rein formal werden also die Google Richtlinien für bezahlte Links eingehalten.
Offenbar ist dies für den Shopbetreiber, den Vermittler und auch die Frankfurter Rundschau ein gutes Geschäft, denn der beworbene Onlineshop ws-autoteile.com ist sonst in den Suchergebnissen viel weiter hinten zu finden. In die Röhre schaut dabei Google selbst, denn der Online-Shop braucht so keine AdWords Anzeigen mehr schalten.
Dass Google es sich nicht gefallen läßt, auf solche Weise Werbung untergejubelt zu bekommen, läßt sich beim Hamburger Abendblatt beobachten. Dort wurde die Promotion-Subdomain serpads.abendblatt.de in Anlehnung an die englischen Begriffe "serp" (Suchergebnisseite) und "ad" (Anzeige) getauft. Soviel Wahrheit war dann aber offenbar zuviel des Guten und somit sind die Anzeige-Seiten auf dieser Subdomain inzwischen im suchmaschinentechnischen Nirvana verschwunden.