Etliche bekennende Musikfans dachten sie tun ihren Idolen einen Gefallen, wenn sie deren Liedtexte auf ihrer Website wiedergeben. Streng juristische gesehen ist dem jedoch nicht so und so erlebten einige Webmaster nun ihr blaues Wunder in Form einer Abmahnung der Berliner Anwaltskanzlei Wollmann und Partner.
Diese Abmahnung nebst der Aufforderung, eine Unterlassungserklärung abzugeben, bekamen bis jetzt 42 meist nicht kommerziell arbeitende Songtext-Webmaster. Pikant wird die ganze Angelegenheit dadurch, dass sie auch stets eine Kostennote von rund 1600 Euro bezahlen sollen - pro veröffentlichtem Songtext. Insgesamt summiert sich die Gebührenforderung bis jetzt auf über 300.00 Euro. Soweit bisher bekannt erfolgten alle Abmahnungen im Auftrag der Musikverlagsgruppe Meisel. Abgemahnt wurden Texte von Keimzeit und Sarah Connor, aber auch ein Oldie der Gruppe Blondie.
Fast alle der betroffenen Webmaster verstanden ihr Angebot als Werbung für den jeweiligen Künstler oder als Service für dessen Fans. Sie übersahen dabei, dass auch Songtexte grundsätzlich urheberrechtlich geschützt sind (§ 2 UrhG). Allein der Inhaber der Urheberrechte darf darüber bestimmen, wann und wo sein Songtext veröffentlicht wird (§ 15 UrhG). Etwas ähnliches gilt für Seiten, auf denen so genannte Gitarren-Tabs (Akkorde oder Gitarrengriffe) zu finden sind. Auch wenn die Liedtexte nicht vom Webmaster selbst online gestellt wurden sondern von den Besuchern der Site greift das Urheberrecht.
Der Streitwert pro Song wurde von der Anwaltskanzlei auf 50.000 Euro beziffert und ist damit meist höher als bei einem illegal angebotenen MP3-File. Etliche der Betroffenen fühlen sich als Opfer einer Serien-Abmahnung und versuchen, sich mittels der Webseite "Kampf um Songtexte" zu organisieren. Weitere Tipps im Falle einer Serien-Abmahnung sind auf der Seite “Abmahnwelle" zu finden.
Andere Musikverlage gehen an die Problematik offenbar viel gelassener heran und sehen die Rechtslage wenig eng. So erklärte zum Eva Mair-Holmes von Trikont beispielsweise in einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: "toll, wenn sich Menschen die Mühe machen, die Texte herauszuhören".