Im bundesweit bisher größten Dialer-Betrugsfall ist der Hauptverdächtige, ein 29-jähriger aus Düsseldorf, am Freitag aus Lettland ausgeliefert worden und sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Gemeinsam mit seinen beiden Komplizen soll er bis zu 100.000 Menschen betrogen und um insgesamt 20 Millionen Euro geschädigt haben. "Der Schaden liegt im Schnitt bei 150 Euro, hat sich aber in Einzelfällen auch auf 1000 Euro summiert", so die zuständige Osnabrücker Staatsanwaltschaft.
Die Tätergruppe hatte ihren Opfer eigens entwickelte Dialer auf Pornoseiten untergeschoben. Sie berechnete entweder 1,86 Euro pro Minute oder eine Einwahlgebühr von 45 Euro plus 95 Cent pro Minute. Die Polizei hatte im Internet eine Liste mit den 20 betroffenen Dialer-Nummern veröffentlicht. Allein für eine dieser 20 Nummern waren 850.000 Telefondaten gefunden worden. "Ein Vergleich mit alten Telefonrechnungen kann sich lohnen. Viele wissen vermutlich noch nicht, dass sie Opfer geworden sind", so die Stattsanwaltschaft.
Inzwischen liegen rund 250 Anzeigen vor. Dies ist aber wohl nur die Spitze eines Einberges, da viele Opfer vor einer Anzeige zurückschreckten oder erst bei einem höheren Betrag Anzeige erstatten, so der ermittelnde Osnabrücker Staatsanwalt Jürgen Lewandrowski. Er berichtete weiter, dass nach der Versendung von Fragebögen an mögliche Opfer bislang "ein Waschkorb voll Post" eingegangen sei. Er rechne damit, dass noch mehr Post eingehe.