Während bei den großen Internetanbieter das Stöhnen über die bevorstehende Verpflichtung zur Überwachung des E-Mail-Verkehrs die Runde macht, hüllen sich viele kleine Anbieter scheinbar in ungläubiges Schweigen.
Die entsprechenden Regelungen in der mehrfach novellierten Telekommunikations-Überwachungsverordnung (TKÜV) sind seit Mai 2003 in der jetzigen Form in Kraft und die Übergangsregelung läuft zum Jahresende aus.
"Die von der Bundesregierung gesetzte Frist für den Lauschangriff auf die elektronische Post am 1. Januar 2005 drückt sehr, meint Michael Rotert, Präsident der europäischen Providervereinigung EuroISPA." Die Umsetzung der Vorschriften gestalten sich deutlich kostspieliger als erwartet hieß es weiter.
Franciska Stache, Geschäftsführerin des Berliner B2B-Anbieters http.net meint, die konsequente Umsetzung wird für etwa 50 Prozent der derzeitig rund 12.000 Netzprovidern das Ende im kleinen und mittelständigen Bereich bedeuten.
Grundsätzlich stellt eine E-Mail-Überwachung keine große technische Herausforderung da. So bieten beispielsweise Unternehmen wie Alcatel, GTEN, NetUSE, O3SIS, Siemens, Secunet oder Utimaco Überwachungsboxen und Softwarelösungen an. Das Problem sind die Kosten mit einem Einstiegspreis von 25.000 Euro zuzüglich entsprechenden Folgekosten.
Neben den für kleine Provider immensen Kosten bringt die ungenaue Vorgabe der RegTP eine weitere Ungewissheit, ab welcher Größe die permanente Verpflichtung zur E-Mail-Überwachung beginnt. In den Vorschriften heißt es, Provider mit weniger als 1000 Teilnehmern seien zur ständigen Vorhaltung der Überwachungstechnik nicht verpflichtet. Hier ist die Frage, ob mit "1000 Teilnehmern" die Anzahl der betreuten E-Mail-Konten oder 1000 Kunden gemeint sind.
at-mix hat 28 kleine Provider angeschrieben und nach Hosting-Paketen mit möglichst vielen IP-Adressen gefragt. Nur 1 Provider hat kritisch zurück gefragt. Die Verunsicherung scheint also groß zu sein und noch schließen die Provider ihre Augen gegenüber einer drohenden Verpflichtung.