Trotz der starken Zensur in China ist die Blogger-Szene im Reich der Mitte nicht zu stoppen, denn China ist zur Nation der Blogger aufgestiegen. Rund 34 Millionen dieser so genannten "Tagebücher" soll es derzeit laut einer Untersuchung des chinesischen Internet Informationszentrums geben. Das sind rund dreißig Mal so viele wie noch vor vier Jahren.
Die Blogger in China haben mit einer harten Zensur zu kämpfen. Viele Adressen im Internet sind in China nicht zugänglich oder werden blockiert, wenn sie sensible politische Themen ansprechen. Bei anderen werden einzelne heikle Einträge gelöscht.
Und doch ist die Nachfrage in der Blog-Szene ungebremst: Allein das Blog der jungen chinesischen Schauspielerin und Regisseurin Xu Jinglei wurde innerhalb eines Jahres schon mehr als 50 Millionen Mal angeklickt. Bereits im Sommer war ihr Internet-Tagebuch auf den ersten Platz der Rangliste der Blog-Suchmaschine "Technorati" geklettert und gilt seither als populärster Blog der Welt. Dabei schreibt der Star lediglich von banalen Dingen wie einem Treffen mit Freunden, vom Schwimmtraining und Problemen mit dem Computer.
Im Prinzip kann jeder Chinese heute seine eigene Geschichte veröffentlichen. 7,7 Millionen chinesische Blogger gelten derzeit als "aktiv", weil sie mindestens einmal im Monat etwas in ihr Internet-Tagebuch eintragen. 75 Millionen der 111 Millionen chinesischen Internetnutzer verfolgen diese Seiten.
Die Internet-Tagebücher stehen immer noch unter der strikten Beaufsichtigung der Regierung. Aber die schiere Menge von Teilnehmern ist in China nur noch schwer zu kontrollieren. Viele Blogger verändern oder codieren die Schriftzeichen sensibler Stichworte. Li Xinde etwa, der gegen Korruption kämpft, veröffentlicht seine Berichte gleichzeitig auf 50 verschiedenen Internetseiten.
Mehr und mehr übernimmt die Blogger-Szene in einem gewissen Grad die Rolle einer freien Presse, denn immer mehr Journalisten enthüllen die Hintergründe zu ihren zensierten Storys übers Internet.
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